Sicherlich kann man eine Beerdigung sehr individuell durchführen. Wenn Sie spezielle Wünsche haben, wird das Bestattungsunternehmen oder Ihr*e Trauerredner*in sich darum kümmern, dass die Zeremonie so stattfindet, wie Sie es sich vorstellen. Im Allgemeinen ist in unserer ländlichen Region folgender Ablauf üblich:

Ankunft

Je nachdem, wie viele Menschen Sie erwarten, ob Sie in kleinem familiären Kreis oder mit vielen Freunden und Bekannten rechnen, sollten Sie eine viertel Stunde vorher oder eine halbe Stunde vorher an der Trauerhalle sein. In der Regel wird der oder die Bestatter*in keine Trauergäste einlassen, bevor nicht die nächsten Angehörigen da sind.

Wenn Sie jedoch mit vielen Gästen rechnen, ist es ratsam, wirklich eine halbe Stunde vorher dazu sein, damit niemand lange vor der Halle stehen muss. Bei schlechtem Wetter oder für ältere, schwächere Menschen kann das problematisch sein.  Auch Trauergäste, die von weit anreisen, können oft nicht genau einschätzen, wann sie eintreffen.

Wenn Sie nur in sehr kleinem Kreis zusammen kommen, reicht es allerdings aus, sich kurz vorher zu treffen und dann gemeinsam die Trauerhalle zu betreten. Wenn Sie gern ein paar Minuten allein in der Trauerhalle sein möchten, besprechen Sie das vorher mit den Bestattern.

Wenn Sie in die Trauerhalle kommen, gehen Sie als erstes zum Sarg oder zur Urne. Meist sind Sarg oder Urne zentral aufgebahrt und geschmückt. Legen Sie Ihren mitgebrachten Strauß oder Kranz nieder und nehmen Sie sich Zeit, einen klaren Gedanken zu fassen. Vielleicht wollen Sie leise ein paar Worte vor sich hinsprechen, manchmal möchte man/frau gern den Sarg oder die Urne berühren. Lassen Sie sich nicht hetzen, es ist egal, wenn andere - manchmal nicht sehr rücksichtsvoll - schon in die Halle strömen. Sie müssen mit der Realität zurecht kommen und Sie brauchen die Zeit des Abschiedes. Diese Zeremonie ist in erster Linie für IHRE Trauer da, für das Begreifen des Unfassbaren. Also lassen Sie sich Zeit. Wenn Sie soweit sind, beenden Sie diesen Moment mit einer klaren, langsamen Verbeugung. Das ist eine schöne Geste der Achtung und Demut.

Sitzordnung

Die nächsten Angehörigen sitzen immer in der ersten Reihe - am besten auch auf der Seite, wo der/die Redner*in stehen wird. Es ist gut, sich schon vorher einen Plan zu machen, wer dort hin gehört. Ehepartner*n und Kinder. Oder welche Enkel, welche Geschwister... Manchmal muss man sehr diplomatisch sein, weil jede/r sein/ihr eigenes Empfinden hat, wie intensiv die Beziehung zum/zur Verstorbenen war.

Die anderen Verwandten reihen sich dann in die nächsten Reihen ein. In manchen Orten gibt es Traditionen, auf welcher Seite die Familie, wo die Freunde sitzen. Meist wissen Bestatter oder Trauerredner/innen darüber Bescheid.

Bitte respektieren Sie auch die Zeit, bevor die Beisetzung offiziell beginnt, als zur Zeremonie dazu gehörend. Sitzen Sie leise in der Trauerhalle und nutzen Sie die Minuten, um den Erinnerungen freien Lauf zu lassen. Sie können zwar den Familienangehörigen auch jetzt schon Kondolenzen aussprechen, doch dafür ist die Zeit im Anschluss an die Beisetzung besser geeignet. Ich persönlich favorisiere es, die Angehörigen vor der Bestattung in Ruhe zu lassen.

Die Zeremonie

Pünktlich zur angekündigten Zeit wird die Rede beginnen (es sei denn, dass sehr zahlreiche Besucher erscheinen, und die Zeit der Verbeugung an Sarg bzw. Urne nicht ausgereicht hat.) Je nachdem, wie detailreich Sie über das Leben der oder des Verstorbenen sprechen wollen, wird die Beisetzung zwischen 15 und 45 Minuten dauern. Ich selber beende die Zeremonie gern mit einer gemeinsamen Schweigeminute, für die sich alle Anwesenden von den Plätzen erheben. 

Und schließlich wird - meist zur Musik - der oder die Bestatter kommen, die Blumen beiseite räumen und Sarg oder Urne hinaus tragen. Ein besonders emotionaler Moment, wenn einem bewusst wird, dass es jetzt zur Grabstelle gehen wird. Haben Sie keine Angst, auch dieser Moment wird vorüber gehen!

Der Gang zum Grab

Sie schließen sich dann dem oder der Trauerredner*in an und folgen den Bestattern bis zur Grabstelle. Bitte respektieren Sie als Besucher der Trauerfeier die Trauer der nächsten Angehörigen, folgen Sie dem Zug in respektvollem Schweigen. Wenn alle Trauergäste angekommen sind, wird Ihr*e verstorbene*r Familienangehörige*r in die Gruft, also in das ausgehobene Grab, gesenkt. Ein Abschiedsspruch vom Grabredner*in beschließt die Zeremonie. Er oder sie wird dann Sand oder Blütenblätter streuen und im Anschluss Ihnen das Zeichen geben, dass nun Ihre Abschiedsgeste bevorsteht.

Am Grab

Bitte nehmen Sie sich auch jetzt wieder die Zeit für einen klaren Abschiedsgruß. Was wollen Sie ihm oder Ihr noch sagen. Manchmal reicht ein einfaches "Danke", einfach nur in Gedanken vor sich hin gesprochen. Oder hocken Sie sich hin, lassen Sie den Sand wie in einer Sanduhr durch ihre Finger rieseln oder die Blütenblätter einzeln fallen. Manchmal schreiben Angehörige Briefe, malen Kinder ein Bild, das mit in das Grab gesenkt wird. Nehmen Sie Abschied auf Ihre Art. Und treten Sie dann beiseite.

Auch jetzt ist es empfehlenswert, sich schon vorher Gedanken gemacht und nachgeschaut zu haben, wo auf dem Friedhof, wo bei den Gräbern, ist der günstigste Platz, wo sich die Familienangehörigen versammeln können, oder wo die Bekannten ihre Kondolenzen, also Beileidsbekundungen zum Ausdruck bringen können. So vermeiden Sie unschlüssiges Herumstehen.

Stehen Sie zusammen, aber lassen Sie einander Raum, wenn jemand beiseite gehen und allein durchatmen möchte. Jeder hat seine eigene Art mit der Trauer umzugehen. Im Allgemeinen ist es schön, sich beizustehen und zusammen zu halten, aber manche brauchen auch einen Moment für sich. 

Meist kommt zuletzt Ihr*e Bestatter*in auf Sie zu und hat eine Mappe mit all den Unterlagen und Kondolenzbriefen dabei, manchmal auch das Bild, dass Sie vielleicht zum Sarg gestellt hatten. Damit ist der offizielle Teil der Beerdigung dann beendet. 

Gedenk-Kaffeetafel oder Totenschmaus

Besonders jungen Leuten ist der Gedanke an eine Kaffeetafel und an`s Essen direkt nach der Beisetzung unerträglich. "Wie kann man nach diesen aufwühlenden Momenten schon wieder zusammen sitzen und fröhlich speisen?" Aber wie ein alter Spruch besagt, "Essen hält Leib und Seele zusammen", so tut eine gemeinsame Kaffeetafel auch gut.  Manchmal sieht man Menschen wieder, die man lange nicht sah. Man sitzt gemeinsam, fühlt sich nicht so allein. Das Essen gehört auch dazu, um den Weg ins Leben zurück zu finden, zu spüren, dass alles weitergehen wird.

Wenn Sie zur Gedenk-Kaffeetafel oder zum Imiss eingeladen hatten, können Sie vielleicht im Café oder Restaurant noch einmal das Bild und einen kleinen persönlichen Altar aufbauen, vielleicht hatte auch jemand von den Angehörigen im Vorfeld Zeit und konnte eine Bilderserie zusammenstellen, die über einen Beamer auf einer kleinen Leinwand laufen kann. Machen Sie das, was Ihrer Trauer und Ihrem Bedürfnis entspricht. Nutzen Sie die Zeit, mit den anderen Familienangehörigen zusammen zu sein, Episoden auszutauschen und die Erinnerung wach zu halten, einander in der Trauer beizustehen. Am Ende des Tages werden Sie mit Ihrer Trauer zwar allein sein, aber Sie haben einen schweren Schritt geschafft und mit vielen kleinen, vorsichtigen Schritten wird das Leben weitergehen.